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Alles nur geklaut (5)

Corvette_lexus_lfa_rearIn der fünften und letzten Folge von „alles nur geklaut“ greif ich die letzte eklatante Designirrung auf, und zwar mit dem Blick auf die C-Säule der Corvette Stingray, inklusive Dachpartie. Und, wie sollte es auch anders sein, auch hier haben sich die GM-Designer sich nicht zur Einzigartigkeit durchringen können


Die neue Corvette Stingray polarisiert, das ist nicht wegzudiskutieren. Von den einen allein deshalb hochgelobt, einfach weil das lange Warten eine Ende hat und auf dem neuen Produkt eben Corvette draufsteht, monieren andere zu Recht, dass außer dem Schriftzug nichts auf eine echte Corvette hinweist. Die C7 ist nichts weiter, als eine Ansammlung geklauter Stilelement, ein Produkt, dem die über die Jahre gewachsene – und gepflegte – Produktidentität durch Patchwork-Design verhunzt wurde.

Corvette+Generations
Was die Liebhaber von US-Fahrzeugen am neuen Chevrolet-Flagschiff am meisten stört, ist das Fehlen charakteristischer Merkmale, die jede Baureihe in der 60-jährigen Geschichte der Corvette bislang so unverkennbar auszeichnete. Das wäre dann zu rechtfertigen, wenn die GM-Designer wenigstens eine neue Design-Ikone geschaffen hätte, ein Bruch der radikalen Innovation zu Liebe, die unwechselbar ist und weltweit durch Einzigartigkeit ein neue Kapitel schreibt. Doch davon ist Corvette Stingray weit entfernt

Ed_Welburn

„Man will ja nicht derjenige sein, der es verrsaut“, hatte GM-Designchef Ed Welburn noch 2011 auf der IAA sinngemäß getönt. Wofür er und seine Mannen jetzt gerade stehen müssen, ist aber gewiß nicht der wahrgewordene Traum eines jeden Produktdesigners. Natürlich hatte – wie in jedem Großkonzern – die Marketingabteilung beträchtlichen Einfluß bei der Schaffung des Endproduktes. Heraus kam ein Plagiatur-Patchwork, dem in seinem Gesamtheit natürlich jegliche Eigenständigkeit fehlt. Erkennungswert gleich null.

C5C6C7Comparison04
Versagt hat hier übrigens nicht die Design-Abteilung, denn was die Kreativen bei GM fertigbringen, wenn man sie läßt, sahen wir beim Corvette Stingray Concept Car. Nein, den Bock haben hier die Entscheider aus der Marketingecke geschossen. Die klägliche Produktsemantik, also die durch die Anhäufung von Erkennungsmerkmalen diverser anderer Automobile ruiniert die sinnliche Wahrnehmungen und deren Wirkung auf den Betrachter.

Corvette_C6
Bislang sprachen die Corvetten eine deutliche Produktsprache: Spitz nach vorn zulaufend Schnauze, Klappscheinwerfer, lange Schnauze, seitlich vorn tiefliegende Kiemen, über das Dach verbundene B-Säulen, Glaskuppe als Kofferraumdeckel, gerade abgeschnittenes Heck und vier runde Rückleuchten, das war stets eine klar verständliche Sprache, die der Betrachter Verstand und in jeder neuen Baureihe klar wiedererkennen konnte. Wenn etwas geändert wurde, dann nur einzelne Akzente, in Nuancen eben. Etwa die beinahe eckigen Rückleuchten der späten C4 und die ovalen der C5, oder die etwas weniger Spitze Schnautze bei der C6 sowie das Wegfallen der Klappscheinwerfer. Aber in der Gänze war es noch immer eine Corvette, die da unverkennbar den Betrachter abholte.

2014-corvette-stingray-design-cue-chhaos
Dann kommt die C7 daher und plötzlich spricht das Produkt nicht mehr mit breitem amerikanischem Slang zum Betrachter, sondern in Hangungmal – oder Gangnam Style. Ein schwerwiegender Fehler, die gewohnten visuellen Superzeichen des Produktes wurden durch austauschbare Signale ersetzt, die Suggestion, um welches Produkt es sich handelt, ist völlig abhanden gekommen. Von schräg hinten könnte es sich genauso gut um einen Nissan GT-R, um eine Lexus LFA oder einen – allerdings nur in den Staaten erhältichen – Scion SR-F handeln

Subaru BRZ_Scion FR-S
Würde auf der C7 statt Corvette stattdessen Hyundai, Kia, Infinity oder Subaru stehen, der Betrachter würde anerkennend nicken und diese information billigend in Kaufnehmen. Warum auch sollte er misstrauisch werden? Macht man dasselbe mit jeder anderen Corvette, fliegt die Schummelei sofort auf. Warum? Weil jeder schon einmal eine Corvette gesehen hat und die evolutionäre Modellpflege über vier Generationen hinweg sorgte seit den Sechzigern für eine formale Eindeutigkeit, die die Corvette jederzeit als solche erkennen ließ. Ein so wertvolles Gut zerstört man nicht ohne Not. Dennoch taten die GM-Genies genau das. Und vielen Mitbewerbern damit einen großen Gefallen.

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