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Sorry, aber so ist es nun einmal


Die diversen Fotos von sogenannten „C7“-Erlkönigen der letzten Monate zeigten recht wenig, dennoch wurde fast überall vollmundig ausgeplärrt, dies sei „die Neue“. Und, wie so oft, ist das natürlich nicht die ganze Wahrheit.

Manchmal ist es wirklich amüsant zu beobachten, wie in den einschlägigen Foren die ach so sachverständig Wissenden es verpassen, selbst die einfachsten optischen Hinweise zu deuten. Da werden Meinungen vertreten, die im wesentlich darauf basieren, dass das Bewährte sich auch weiterhin bewähren wird. Würde die Welt nach diesen Leuten ticken, müsste ich diesen Artikel noch immer auf eine Schreibmaschine hacken.


In deutschsprachigen Corvette-Foren sei es nicht anders, sagt man mir. Ich kann es nicht beurteilen, denn ich habe es längst aufgegeben, speziell in diesen Plattformen der – unfundierten – Besserwisserei gepflegten und sachlichen Austausch zu versuchen. Es gibt da nun einmal zu viele Leute, die meinen ihre Rechthaberei in einer Tonart durchsetzen zu müssen, die nicht die meine ist. US-Foren sind da einfach in jeder Hinsicht angenehmer – und kompetenter ohnehin. Wie auch immer, beim Thema C7 tappen eigentlich alle im Stockdunkeln, wissen aber komischerweise ganz genau, was auf gar kein Fall Tatsache werden kann. Stammtischgequatsche eben.

Ich arbeite mit Fakten. Und der logischen Schlußfolgerung durch Aneinanderreihung selbiger. So ist eben journalistische Arbeit, man trägt die Fakten zusammen und, da wo einem die ganze Wahrheit vorenthalten wird, konstruiert man das potenzielle Szenario anhand vorhandener zuverlässiger Informationen möglichst authentisch. Produktpresse, gerade im Hinblick auf Neuentwicklungen, mag spannend sein. Dennoch hatte ich eigentlich Mitte der Neunziger diese zu Gunsten der – für mich viel ergiebigeren – Motorsport-Berichterstattung aufgegeben. In all den Jahren habe ich dennoch gerne Anfragen von ausländischen Kollegen beantwortet, vor allem aus Südamerika, Südafrika und Australien, aber auch aus den USA. Meist wollte man wissen, was dieser oder jener hiesige Hersteller derzeit plant, oder wie ich die jeweiligen Erlkönigfotos deute. Jetzt, als Chefredakteur von P1Mag, nehme ich mich dem Thema wieder an und erneure mein Informations-Netzwerk. Es ist die Zeit gekommen, die Kollegen in „Regress“ zu nehmen. U.a. was das Thema Corvete betrifft.


Von einem kanadischen Kollegen erfahre ich hierzu, dass offenbar mindestens zwei verschiedene vollverkleidete Prototypen mit Corvette-Umrissen durch verschneite ländliche Gegenden Kanadas pflügen. Ein relativ kompakt aussehendes Exemplar, also wohl die „Baby-Vette“, und zwei Exemplare mit auffällig langer Schnauze. Übrigens wurde die Baby-Vette schon vorher auf Probefahrt abgelichtet, nämlich unter einem C6-Kleid und dennoch erkennbar an der sichtbar schmäleren Spur. Seltsam, dass die wenigsten da 1 und 1 zusammenzählten.

Interessanter scheint da, was das längere Exemplar sein soll. Und da wartet wahrscheinlich eine handfeste Enttäuschung auf die Corvettisti, und zwar sowohl auf die Puristen, als auch die progressiv denkenden, die gespannt die von GM-Nordamerika-Präsident Mark Reuss vollmundig angekündigte Hi-Tech-Corvette warteten. Stattdessen ist es wohl einfach eine – mit von Pininfarina geklauten Stilelementen – kosmetische aufbereitung einer C6, die mit dem ollen 6-Liter-Stoßstangen-Motor der vierten Generation, aber dafür einer Biturbo-Aufladung daher kommen soll. Also sozusagen die Corvette C SECHSEINHALB, die ich bereits vor sieben Monaten thematisierte. Das einzige Aha-Erlebnis soll das Cockpits sein, da hat GM offenbar aus dem vollen geschöpft und ein bahnbrechendes Interface Mensch/Maschine geschaffen und in feinstes Leder gehüllt. Sagen die Kollegen.


Man bedenke: GM-Nordamerika-Präsident Mark Reuss hat gegenüber Presssevertretern bei zwei unterschiedlichen Presseterminen Anfang 2011 folgende bemerkenswerte Aussagen getroffen: 1.): „Die nächste Corvette wird es in einer Bandbreite geben, so dass sich auch Leute mit einem mittleren Einkommen eine Corvette leisten können, aber auch jene begeistert, die hohe Ansprüche stellen.“ Und 2): „Die Corvettte der nächsten Generation wird richtungsweisend sein, mir ist nicht bekannt, dass irgendein Wettbewerber ähnliches in Vorbereitung hat.“ All das scheint für ein einziges Auto nicht erfüllbar, für zwei Corvetten unterschiedlicher Bauart dagegen schon eher. Ein erster versteckter Hinweis auf ein Corvette-Einsteigermodell, ich nenne sie seither „Baby-Vette“.

Zur zweiten Aussage: Ein noch so modernes Cockpit allein kann diese vollmundige Ankündigung kaum stützen. Mein Verdacht, was damit ursprünglich gemeint war, habe ich bereits vor acht Monaten HIER öffentlich gemacht. Würde 2013 eine aufgepäppelte C6 als „Next Generation Corvette“ vorgestellt werden, wäre das zweifelsfreie eine Notlösung. Für eine revolutionäre KERS-Corvette müssen natürlich auch die Zulieferer Qualität liefern können. Gut möglich, dass GM und den Zulieferern einfach die Zeit ausgeht, denn die C6 verkauft sich nur noch schleppend, ein Nachfolge-Modell muß dringend her.


Ist das in Kanada getestete Gefährt mit der langen Schnauze also ein Kompromiss, um der eigentlichen C7 mehr Entwicklungszeit zu gönnen? Oder ist es gar ein Blender, um vom eigentlichen Entwicklungsträger abzulenken? Das weiß derzeit nur ein sehr, sehr eingeschränkter Kreis von Personen bei GM und deren Zulieferern. Und die plaudern darüber mit NIEMANDEM. Und ganz sicher nicht in irgendwelchen Foren, die selbst den GM-Marketingleuten heutzutage wurscht sind. Warum? Weil die weit überwiegende Zahl der Foren-Mitglieder „Midlifers“ sind und Corvetten einer älteren Baureihe als Zweit- oder Drittfahrzeug besitzen. Ist deren Meinung und Ansicht für GM-Produktentwickler relevant? Nein, nicht wirklich. Eine Fanbase zu haben ist schön und hilft dem Image. Aber es verkauft nun einmal keine Neuwagen. Und NUR DARUM geht es Autoherstellern nun einmal.

Also forschen die Marketing-Leute, warum Menschen lieber einen SL, Elfer, Nissan GT-R oder eine Lexus LFA kaufen würden – und wie man diese Menschen stattdessen für eine Corvette begeistern könnte. Und wenn das Ergebnis nicht das sein sollte, was die Puristen unter einer Corvette verstehen, dann mag das Endprodukt eben Kritiken aus eben dieser Ecke ernten. Doch was einzig interessiert, ist, wie die „Next Generation Corvette“ beim ZAHLENDEN Publikum ankommt. Alles andere ist beiläufiges Gewäsch. Sorry, aber so ist es nun einmal.

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Eine Antwort

  1. Matthias

    Respekt, gut geschriebener und fachlich fundierter Text.

    13. Februar 2012 um 09:46

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